Von Bonhomme nach Texas und Hamburg

„Ich war noch nie in Hamburg, aber dieses Jahr passt es super in meinen Plan und ich freue mich riesig!“

Moritz Treffinger ist amtierender Doppel-Europameister der U25-Dressurreiter, war diesen April mit 22 Jahren der jüngste Weltcup-Finalist in Texas und geht mit seinem Texas-Partner, Fiderdance, in Hamburg an den Start. Hamburg ist für die Beiden die letzte Vorbereitung für die Deutschen Meisterschaften in Balve Anfang Juni.

„Ich bin noch nicht ganz sicher, vielleicht bringe ich auch noch ein weiteres Pferd mit nach Hamburg, aber ‚Fidel‘ ist sicher.“ Mit dem inzwischen 17-jährigen Fidertanz-Sohn hat Treffinger Hamburgs Fünf-Sterne-Tour in der Anrecht-Investment Arena auf dem Plan – mit Grand Prix und Kür. Die Kombinationswertung aus diesen Prüfungen entscheidet erstmals über den Titel im Almased Deutschen Dressur-Derby. Hat sich der Chefbereiter des Gestüts Bonhomme deswegen für die Kür entschieden? (lacht) „Der Derbytitel wäre natürlich ein Hammer, aber in erster Linie reite ich sehr gerne Kür und möchte mit Fidel in der Kür noch mehr Routine und Lässigkeit gewinnen.“ In der Kür seien sie, trotz ihrer Weltcup-Erfahrung, beide noch etwas aufgeregter. „Vor allen Dingen in den Wechseltouren möchte ich noch lässiger werden. Ich verfalle ganz gerne dazu, dass ich Fidel zu viel helfen möchte. Da muss ich mich noch mehr zurücknehmen.“
Erfolgsleiter mit Sprüngen erklommen

Seit Juni 2023 ist Moritz Chefbereiter auf dem Gestüt Bonhomme in der Nähe von Berlin. Wie ist der Baden-Württemberger dahin gekommen? „Ich habe im Internet gelesen, dass das Gestüt nach Simone Pearce einen neuen Bereiter sucht. Und dass sie sich auch vorstellen können, einen jungen, noch nicht ganz so erfahrenen Reiter zu nehmen. Also habe ich einfach mal eine Mail geschrieben.“ Und dann ging alles ganz schnell: die Antwort von Gestütsleiter Robert Conredel kam prompt, fünf Tage später war Moritz zum Vorreiten und zum Gespräch vor Ort, eine weitere Woche später zog Moritz auf das Gestüt Bonhomme um – genau einen Tag nach seinem 20sten Geburtstag.
Seither hat Moritz T. die Erfolgsleiter nicht mit Schritten nach oben erklommen, eher mit Sprüngen: 2024 gehörte er bereits zum deutschen U25-EM-Team und sicherte sich mit Cadeau Noir Einzelbronze und Teamgold. 2025 legte das Paar noch eins drauf: Teamgold, Einzelsilber und Kürgold. Das war fast zu viel, um es zu verarbeiten: die Tränen liefen bei Moritz und bei Mutter Santina, die immer an der Seite ihres Sohnes ist, um ihn zu unterstützen. Meist ist es auch Mutter Santina Treffinger, die den Schweif vorm Einreiten in eine Prüfung durchbürsten darf. Das ist wichtig für Moritz: der Schweif muss auf einem Turnier perfekt sein. „Wenn man eine Prüfung reitet, kann immer etwas schief gehen, aber dann hat man wenigstens perfekt ausgesehen“, lacht er. Mit perfektem Schweif ritt der 22-Jährige auch zum Weltcup-Finale in Texas ein, dieses Mal mit Fiderdance. Mit beiden Hengsten hatte er in seiner ersten Weltcup-Saison Punkte gesammelt, mit Fidel ist er zum Finale nach Texas geflogen – samt der gesamten Familie. Die Familie ist extrem wichtig für Moritz. Regelmäßig reisen seine Eltern zu den Turnieren, oft ist auch Bruder Henry dabei.



Siegerehrungs-Training a la Moritz

Als kleines Kind im Alter von vier Jahren hatte Moritz schon seine Passion für den Dressursport ausgelebt. „Er saß oft stundenlang am Viereck und hat zugeguckt, schon mit vier Jahren“, erzählt die Mutter. „Ich bin manchmal ganz komisch von den Leuten angeguckt worden, wie ich mein Kind da so lange sitzen lassen kann, aber er war nicht am Dressurviereck wegzubekommen.“ Seine ersten Reitstiefel waren rote Gummistiefel, die die Mutter schwarz angemalt hat, weil es in seiner Minigröße damals noch gar keine Reitstiefel gab. Zuhause mit seinem Pony hat er am liebsten Siegerehrungen geübt. „Ich habe natürlich immer gewonnen“, lacht er heute in der Retrospektive. „Und ich habe alles gemacht: die Ansage, die Musik, alles.“ Mit 15 gab es den ersten donnernden Paukenschlag: Dreifach-Europameister der Ponyreiter mit Top Queen H – unfassbar. Moritz bildete seine nächsten Pferde selbst aus, erntete mit eigenen Pferden S-Siege bis zum Goldenen Abzeichen und zum Sieg im i-West-Dressurcup in der Stuttgarter Schleyerhalle. Dann kam Bonhomme. Das erste Mal von zu Hause ausgezogen, hat er gelernt, wie man Wäsche wäscht. „Das mache ich sogar ganz gerne“, schmunzelt er. Das mit dem Kochen ist nicht sein größtes Hobby, da verlässt er sich auf seine Mikrowelle, die sein Lieblings- Fertiggericht ‚Rigatoni mit Spinatsoße‘ für ihn erwärmt. Und auf eins kann Moritz Treffinger auf keinen Fall verzichten: Mayonnaise, die gehört praktisch bei jedem Essen dazu.
Moritz Treffinger lebt gerade seinen Traum, genießt jeden Moment und begeistert mit seiner einfühlsamen Art im Sattel – von Texas bis Hamburg.